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Von der Vogelkunde besessen

Heute vor 150 Jahren wurde Hans Freiherr von Berlepsch auf dem Stammsitz Seebach geboren. Er gründete die Vogelschutzwarte Seebach, die erste Versuchs- und Musterstation dieser Art in Deutschland.

Von Martin STOLZENAU SEEBACH.
Zur Ornithologie, also der Vogelkunde, einem Zweig der Zoologie, gehören heute solche Arbeitsgebiete wie Systematik und Taxonomie der Vögel, Vogelorientierung, Verhaltensforschung, Anatomie sowie Physiologie der Vögel, die angewandte Vogelkunde, Faunistik, die Paläoornithologie und der Vogelschutz.

Die Liste prominenter Vogelkundler reicht von Johann Friedrich Naumann, dem Vater der wissenschaftlichen Ornithologie in Europa, über Christian Ludwig und Alfred Brehm, deren Werke zur internationalen Standard-Lektüre avancierten, bis zu Sittich Karl Rudolf Hans Freiherr von Berlepsch, der auf seinem Familiensitz Seebach bei Mühlhausen den wissenschaftlichen Vogelschutz begründete. Mit seinem Werk "Der gesamte Vogelschutz, seine Begründung und Ausführung auf wissenschaftlich-natürlicher Grundlage" verfasste von Berlepsch einen internationalen Bestseller mit Vorbildcharakter.

Auf seiner Wasserburg in Seebach legte er Vogelschutzgehölze an und richtete eine pionierhafte Vogelschutzwarte ein, die vor 100 Jahren von der preußischen Regierung als erste Versuchs- und Musterstation für Vogelschutz in Deutschland anerkannt wurde und bis heute existiert.

Berlepsch entstammt einem hessisch-thüringischen Adelsgeschlecht, das erstmals 1233 urkundlich erwähnt wurde. Vom Stammvater Cunradus de Berleidisin leiten sich mehrere Linien ab, die einige herausragende Persönlichkeiten hervorbrachten und nicht alle den Freiherrntitel führten. Hans Freiherr von Berlepsch wurde am 18. Oktober 1857 auf dem Stammsitz Seebach geboren. Sein Vater fungierte als Gutsherr. Seine Mutter war die Tochter eines bürgerlichen Amtmanns. Zu diesem Zeitpunkt hatte August Sittich Eugen Heinrich Freiherr von Berlepsch, ein Seebacher Onkel des Jungen, bereits als Bienenforscher für Furore gesorgt. Hans wuchs in enger Beziehung zur Natur auf und wurde von klein auf zur Tierliebe und -beobachtung angehalten. Daraus entwickelten sich eigenständige Naturstudien. Doch zunächst begann er nach dem Schulabschluss 1879 eine Offizierslaufbahn. Sie diente als Aushängeschild und Broterwerb. Nebenbei widmete er sich auf Auslandsreisen, die ihn bis nach Brasilien führten, verstärkt der Ornithologie. Er nahm zudem mit anderen Ornithologen engen Kontakt auf. Zunächst wandelte von Berlepsch den einstigen Obstgarten der Burg in einen über zwei Hektar großen Vogelschutzpark um mit neuartigen Nisthöhlen, Vogelschutzgehölzen und Beobachtungsstationen. 1899 erschien sein Buch "Der gesamte Vogelschutz", das auf eine Riesennachfrage stieß und in viele Sprachen übersetzt wurde. Es wurde Programm und Anleitung für den praktischen Vogelschutz. Damit katapultierte sich der Freiherr in die erste Reihe der Ornithologen. Berlepsch, ab 1890 verheiratet mit Frances von Berenberg-Goßler, der Tochter eines Hamburger Kaufmanns, nahm 1905 seinen Abschied als Offizier und widmete sich nun ganz dem wissenschaftlichen und praktischen Vogelschutz. Kurz danach erkannte die preußische Regierung die Vogelschutzwarte als erste Versuchs- und Musterstation an. Im "Journal für Ornithologie" veröffentlichte er 1922 seine Autobiografie. Berlepsch verstarb 1933 auf Burg Seebach.

Sein Nachfolger wurde Karl Mansfeld aus Aschersleben, der an die verpflichtende ornithologische Tradition anknüpfte, eine beispielhafte Forschungs- und Lehrtätigkeit praktizierte, Arbeiten zu ornithologischen Themen publizierte und etwa die Bedeutung insektenfressender Vögel für die biologische Schädlingsbekämpfung in Land- und Forstwirtschaft verdeutlichte. Damit hatte Berlepsch einen würdigen Nachfolger gefunden.
Heute gehört die Vogelschutzwarte Seebach zur Landesanstalt für Umwelt. Neben Forschungsaufgaben widmet sie sich auch der Pflege verletzter oder beschlagnahmter Tiere.

Besucher sind an den Besuchstagen willkommen. Führungen gibt es in der Zeit von Mai bis Oktober regelmäßig an Wochenenden und Feiertagen, Beginn jeweils samstags 14.00 Uhr und sonn- und feiertags 10.00 Uhr, zu anderen Zeiten nach Voranmeldung unter Tel.nr.: 03601/440565 und 03601/887711

Artikel der TA vom 18.10.2007 übernommen