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Den als Nestor des Vogelschutzes in die Geschichte eingegangenen Sittich Hans Freiherr von Berlepsch hätte es bestimmt gefreut, dass sein Erbe so wachgehalten und konsequent gepflegt wird. Das bestätigte dessen Enkelin Sitta Scholz vor einem Kreis namhafter Ornithologen, Ehrengäste, Politiker und Angehöriger der Familie von Berlepsch, die sich am Samstag zu einer Festveranstaltung anlässlich des 150. Geburtstages des Begründers der ersten deutschen Vogelschutzwarte in Seebach eingefunden hatten.




SEEBACH. Eigentlich hätten in diesem Jahr das 900-jährige Bestehen der Burg Seebach und die urkundliche Ersterwähnung Seebachs vor genau 700 Jahren begangen werden können. Doch in der Wasserburg bezog sich am Wochenende eine festliche Runde auf ein wesentlich kleineres, aber umso bedeutungsvolleres Jubiläum. Der 150. Geburtstag des Begründers des Vogelschutzes, Hans Freiherr von Berlepsch, wurde mit einem umfangreichen Fachkolloquium, einem Festempfang und musikalischen Begegnungsabend gewürdigt.

"Dass wir den Geburtstag hier feiern dürfen, verdanken wir vielen", sagte erfreut Sitta Scholz, aus Marburg angereiste Enkelin des Freiherrn. Die bald 75-Jährige beschrieb ihren Großvater als vielseitigen Menschen, der sich schon als Schulkind mit Vogelbeobachtungen befasst und sich als Naturforscher betätigt habe. So hatte er beispielsweise junge Vögel im halb geöffneten Bücherschrank großgezogen und viele Waldbewohner in seinem Zimmer in der Klosterschule in Roßleben. Einmal zählte sogar ein junger Rehbock zu seinen Stubengenossen. Bei einer langweiligen Predigt in der Seebacher Kirche hätte der junge Berlepsch dann die Lösung für die Winterfütterung gefunden. Aus einer herabhängenden Lampe entwickelte er nämlich eine Futterkrippe für die Wildvögel.
Weltweit bekannt wurde jedoch die "Berlepsche Nisthöhle", die natürlichen Vorbildern nachempfunden war und vielen Arten von Höhlenbrütern Schutz bieten konnte.Als die Enkelin des Freiherrn schilderte, wie sie 1990 erstmals wieder die Burg betrat, war sie zu gerührt, und ihr Ehemann Dr. Joachim Scholz musste weiterreden. Sie würdigten, dass das Land Thüringen seit der Wiedervereinigung viele Millionen in die Restaurierung und Weiterbetreibung der Staatlichen Vogelschutzwarte Seebach gesteckt hätten. Die Berlepsch-Familie und vier Enkel unterstützen den Verein der Freude der Vogelschutzwarte nach Kräften.
Die Forschungsarbeit an der Vogelschutzwarte müsste noch stärker forciert werden, erklärte der ehrenamtliche Ornithologe Klaus Schmidt, der sich seit seinem Aufenthalt als Schüler 1964 an der Seebacher Schutzwarte besonders beim Artenschutz von Weißstorch, Dohle und Wachtelkönig in Thüringen engagiert.
Dass die älteste Vogelschutzwarte Deutschlands ihrem wissenschaftlichen Auftrag und den Belangen des praktischen Vogelschutzes nachkommt, verdeutlichte Dr. Stefan Jaehne als Leiter der Einrichtung an verschiedenen Beispielen. Dazu zählten die Auffang- und Pflegestation für rund 250 verletzte Tier pro Jahr, das hier angesiedelte Artenschutzzentrum, die wissenschaftliche Vogelberingung, die Vogelbeobachtung, die Mitarbeit bei der Erstellung eines Brutvogel-Atlasses für Thüringen und ganz Deutschland sowie der Schutz des Rotmilans in Thüringen.
Erfreulich nicht nur aus Sicht der 82 Vereinsmitglieder ist die Tatsache, dass die Freunde der Vogelschutzwarte nach Auskunft ihres Vereinschefs Hans-Martin Menge in diesem Jahr erstmals rund 3000 Besucher durch die Einrichtung führen konnten. Die wird im kommenden Jahr noch interessanter, denn ab heute schon wird die neue ornithologische Ausstellung anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Vogelschutzwarte 2008 aufgebaut. Landwirtschaftsminister Volker Sklenar (CDU) kündigte an, dass der Freistaat Thüringen das Berlepsch-Erbe bewahren wolle und sich für die weitere Restaurierung der Wasserburg einsetzen werde.

Artikel der Thüringer Allgemeine entnommen
Verfasser:Reiner SCHMALZL

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